Ein ganz normaler Tag in der Kyburg-Grundschule, oder? 14. Juni 2019

Wie kann man mit Einschränkungen den Alltag bewältigen.Neuss/Langenfeld (jste). "Jemand aus dem Lehrerkollegium hat davon gehört, dass die E & B Weik-Stiftung in Grundschulen einen Projekttag durchführt, an dem Schüler für Menschen mit Einschränkungen sensibilisiert werden. Und dann haben wir beschlossen, das auch an unserer Schule zu machen." Schulleiter Martin Peters von der Kyburg-Grundschule in Neuss hat sich gern auf dieses "Abenteuer" eingelassen. An zwei Tagen war das Team für den "ganz normalen Tag" da, der so normal nicht war.Weil die Kinder der Klassen 1-4 nicht mit Lesen, Schreiben und Rechnen beschäftigt waren, sondern sich in Blinde hineinversetzt haben, die Gebärden der Gehörlosen kennen lernten, mit Gehhilfen Stufen erklommen und mit Gewichtswesten losgerannt sind, um zu spüren, wie es Übergewichtigen ergeht. "Wir unterrichten 265 Kinder, davon 170-180 mit Migrationshintergrund, das Kollegium besteht aus 21 Lehrkräften, drei Sozialpädagoginnen und acht Integrationshelfern, denn hier wird "gemeinsames Lernen" schon lange geübt", erzählt Schulleiter Peters. Die ca. 30 Förderkinder wissen dies zu schätzen. "Meist haben wir auch ein Rollstuhlkind", ergänzt Peters. Jetzt konnten alle Kinder das Fahren mit dem Rollstuhl ausprobieren, und manche machten auch eine kurze Wettfahrt damit. "Für kurze Zeit war das interessant, aber ständig auf den Rollstuhl angewiesen zu sein, das wollten sie nicht", berichtet Aggi Wiggers vom Weik-Team, die diese Station betreute. An den beiden Projekttagen, die bestens vorbereitet wurden, fehlt es nicht an Helfern. Das Lehrerkollegium wird von zahlreichen Eltern unterstützt, und dies auch bei vielen anderen Gelegenheiten, wie etwa das tägliche Schulobst und Gemüse schneiden. "Gestern waren die Klassen 1 und 2 dran, das war für sie schon ganz schön anstrengend, aber sie haben viele interessante Fragen gestellt", berichtet der Schulleiter. Am 2. Tag sei das 3. und 4. Schuljahr an der Reihe. Vier Tandempiloten - Toni Krista, Jo Ruppel, Werner Decker und Wilfried Schwarz - haben alle Kinder gefahren, insgesamt kamen sie auf über 100 km; vorher wurden den Kindern die Augen verbunden, damit sie sich als "Blinde" fühlen konnten. Anastasia (fast 10) meinte: "Ein bisschen Angst hatte ich beim Slalom." Alina und Sahar dachten, wenn es in die Kurve ging: "Gleich falle ich um." Und Maximilian sagte hinterher: "Man wusste gar nicht, wo man ist, ich hatte das Gefühl, es geht immer im Kreis herum." Die blinde Petra Winke zählt die gestellten Fragen auf: "Wie kaufst du ein? Wie kommst du über die Straße, wenn keiner da ist? Wie kochst du? Wie ziehst du dich an?" Dass auch blinde Menschen ihren Alltag weitgehend selbständig bewältigen, war für die Kinder eine neue Erfahrung. Neugierig und begeistert haben die Kinder diese Projekttage mitgemacht und erlebt. Zur Einstimmung hatten sie ja auch schon das "Lied der Blaukarierten" gesungen, in dem es um das Akzeptieren von verschiedenen Menschen geht.