Paulus-Grundschule

Der ganz normale Tag am 22. Juni 2009

mit Krücken Hindernisse überwinden
mit Bleiwesten über ein Seil hüpfen
Rollstuhlfahren will geübt sein

Wie sehr sich das Lehrerkollegium, die Schulpflegschaft und der Schulverein an der kath. Paulus-Grundschule engagieren, konnte man ein weiteres Mal beim „ganz normalen Tag“ erleben. Großes Lob erhielt auch das cSc-Team, das zum 7. Mal an einer Langenfelder Grundschule gewirkt hat.

„Guten Morgen, Frau Böhm und alle zusammen“, antworteten die über 200 Schüler im Chor auf die Begrüßung durch ihre stellv. Schulleiterin. Und dann erklang das „Lied der Blaukarierten“, in dem von der Verschiedenheit der Menschen die Rede ist. Bernhard Weik wünschte „einen Tag, an dem ihr viel lernen könnt.“ Noch am Sonntag Nachmittag waren Lehrer/innen, Schulpflegschaft und Mitglieder des Schulvereins für mehrere Stunden in die Paulusschule gekommen, um die letzten Arbeiten für die Vorbereitung des „ganz normalen Tages“ zu erledigen, an dem Grundschüler für Menschen mit Handicaps sensibilisiert werden.
So konnte es am nächsten Morgen auch direkt losgehen. Alle Stationen waren mit Helfern gut besetzt, und die Lehrer/innen führten ihre Klassen zu den verschiedenen Möglichkeiten, Erfahrungen mit Einschränkungen zu sammeln: ob als Blinde, Gehbehinderte, Bein- oder Armamputierte, Gehörlose oder Rollstuhlfahrer. Großen Anklang fand wie sonst auch das Tandemfahren als Sozius mit verbundenen Augen, durchgeführt von den ADFC-Mitgliedern Christian Doll, Hans Windges und Horst Seidenstecher, die ihre Mitfahrer sehr umsichtig ans Ziel brachten. „Super“ und „cool“ lauteten die begeisterten Kommentare.
„Gut, dass ich meine Arme noch habe“, sagte eine Schülerin nach den Übungen für „Armverletzte“, bei denen mit den Füßen geschrieben, gegriffen und geknotet wurde.
„Alles ist bestens organisiert, die Kinder sind sehr motiviert und die Helfer angetan von der Mitarbeit der Kinder“, lautete das Urteil der stellv. Schulleiterin Maria Böhm.
„Alle Kinder sind total begeistert“, stellte auch die Schulpflegschaftsvorsitzende Andrea Kowalski fest, und die Vorsitzende des Schulvereins, Marina Sciannimanica kommentierte den Tag: „Wir waren alle sehr aufgeregt, aber jetzt, wo alles läuft, kehrt die innere Ruhe zurück.“ Berufstätige Eltern hätten extra einen Tag Urlaub genommen, um zu helfen.

Preisauszeichnung

Die Urkunde wird Herrn Weik übergeben
Rede von Herrn Weik bei der Preisverleihung
Feierstunde in der Paulus-Grundschule

Anlässlich von "Ein ganz normaler Tag" an der Paulusschule wurde die Elisabeth & Bernhard Weik-Stiftung als "Ausgewählter Ort 2009" im Land der Ideen am 22. Juni 2009 ausgezeichnet. Mehr als 2000 Institutionen und Firmen hatten sich bei der Aktion "Ausgewählter Ort 2009" beworben, 365 werden jedes Jahr ausgewählt. Nach 2008, als der Lions-Club Langenfeld/Monheim an der Reihe war, war nun erneut Langenfeld dran. Auch für das cSc-Team war es die zweite Auszeichnung. Zwei Jahre zuvor wurde die Stiftung von der Stadt Langenfeld als besonders kinderfreundlich anerkannt und gewürdigt.

Auszüge aus der Rede von Herrn Weik bei der Preisverleihung:
Liebe Gäste und Freunde des cSc, unseres (Behinderten-)Capp Sport Cups.
Die beste Idee ist nur so gut wie das Team, das sie ausführt. Ich bin froh und glücklich, solch ein eingagiertes kreatives Team zu haben, das aus Eigeninitiative die Idee immer noch verbessert. Dafür möchte ich mich bei dem ganzen Team recht herzlich bedanken. Bedanken möchte mich auch bei meiner Frau Elisabeth, die mich so oft entbehren muss, denn ich lebe meine Idee. ...
Angefangen haben wir klein und schüchtern, wir mussten bei den Schulen noch Überzeugungsarbeit leisten. Das hat sich gründlich geändert. Durch die Anfragen auch aus den Nachbarstädten ist unser Team voll ausgelastet. ...
Die schönste positive Rückmeldung erhielt ich aus der Gieslenberger Grundschule. Eine Mutter bedankte sich nach etwa zwei Wochen und erzählte mir, dass sie drei Kinder hat, wovon eines behindert ist. Die anderen Geschwister wurden - fast täglich - wegen der behinderten Schwester gehänselt. Ab dem Tag, als wir den "ganz normalen Tag" an der Gieslenberger Grundschule durchgeführt hatten, waren die Hänseleien beendet.

Paulus-Grundschule in Langenfeld

Der Obst- und Gemüse-Imbiss für die Kinder
Alle Kinder sind versammelt
Begrüßung durch die Schulleiterin

Text: Jürgen Steinbrücker
Eines der Leitziele, das sich die Paulus-Grundschule in Langenfeld-Berghausen gesetzt hat, lautet im sozialen Bereich lernen, gefördert und gefordert werden und Erfahrungen darin sammeln. Die Praxis lässt sich bereits im Treppenhaus der Schule ablesen. Dort hängt eine Pressemitteilung, die darüber berichtet, wie sich der Schauspieler Karl-Heinz Böhm und seine Frau die erste Spende eines Sponsorenlaufs über 28.000 DM in der Paulus-Schule selbst abgeholt haben. Zugute kam diese Spende wie auch alle folgenden der von Karl-Heinz Böhm initiierten Organisation „Menschen für Menschen“, durch die Kinder in Äthiopien eine Schule besuchen können. „Vier Sponsorenläufe, die alle vier Jahre stattfinden, hat es bisher gegeben, und beim letzten Mal konnten wir eine Spende über 10.000 € weiterleiten. Wir haben mit bisher 45.000 € bereits beim Bau und bei der Einrichtung von zwei Schulen helfen können“, berichtet Kordula Urban, Schulleiterin seit 1998.

Soziale Kompetenz erwerben die Kinder der Paulus-Schule auch bei anderen Projekten. So gibt es eine ständige Briefmarken-Sammelaktion in jeder Klasse zugunsten der Diakonischen Anstalten in Bethel. Unterstützt wird außerdem ein Kinderheim in einer Nachbarstadt im Bergischen Land mit gegenseitigen Besuchen und Geschenkaktionen. Das Projekt „Maria Goretti – Straßenkinder von Sao Paulo“ erhält einen Teil des Erlöses aus dem „Martinscafé".

Natürlich findet soziales Lernen - unmittelbar und direkt für jedes Kind erlebbar - an jedem Schultag statt. Im 3. Schuljahr, kurz vor der Klassenfahrt, wird Sozialkompetenz für drei Tage selbst zum Unterrichtsthema im „Fair-Streiten-Projekt“. „Das pädagogische Konzept der Schule ist darauf ausgerichtet, Lebensraum für den ganzen Menschen zu sein. Deshalb gehört zu den Leitzielen auch, dass unsere Kinder in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt werden, Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Konfliktfähigkeit entwickeln, um die eigene Persönlichkeit anzunehmen und die Persönlichkeit anderer achten zu können“, erklärt Kordula Urban.Im Rahmen der Qualitätsoffensive an Langenfelder Grundschulen hat die Paulus-Schule vier Schwerpunkte gesetzt, die in den einzelnen Jahrgängen durchlaufen werden: 1. Schuljahr Natur, Umwelt und Tiere, 2. Schuljahr Kunst und Theater, 3. Schuljahr Ernährung, Gesundheit, Sozialkompetenz (Mädchen-/Jungenförderung), 4. Schuljahr Naturwissenschaften und Technik.

"Wir haben das Angebot -Ein ganz normaler Tag- gerne aufgegriffen und sind dankbar für die Möglichkeit, die Kinder Behinderungen erleben und erfahren zu lassen“, sagt die Schulleiterin. Das Kollegium erhoffe sich davon einen dauerhaften, selbstverständlicheren und einfühlsameren Umgang mit Menschen mit einem Handicap.