Martinus Schule

Ein ganz normaler Tag am 21.03.2012

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„Der ganz normale Tag“ zum zweiten Male am Zehntenweg

Die Schule ist die gleiche, auch wenn sie jetzt einen anderen Namen hat. Aus der kath. Martinus-Grundschule wurde der katholische Teilstandort der Städtischen Grundschule Richrath-Mitte. Nicht nur der Name hat sich geändert, auch die Schüler sind für die Elisabeth & Bernhard Weik-Stiftung neu, schließlich schrieben wir das Jahr 2007, als dort im November zum ersten Mal der „ganz normale Tag“ stattfand. So hat der vierjährige Rhythmus nur etwas Verspätung, denn eigentlich sollen alle Jahrgänge an dieser „Sensibilisierungs-Veranstaltung für Menschen mit Handicap“ teilnehmen. „An diesem erlebnisreichen Tag lernen alle Schülerinnen und Schüler spielerisch mit viel Spaß, mit den verschiedenen Behinderungen umzugehen“, beschreibt Elmar Widera vom cSc-Team den „ganz normalen Tag“, der jetzt dort am Mittwoch, dem 21. März erneut durchgeführt wurde.
Widera war es auch, der die Idee des „ganz normalen Tages“ in einen strukturierten Ablauf gebracht hat. Minutiös sind alle Stationen und Abläufe in einem Heft beschrieben, das der jeweiligen Schule für die Vorbereitung zur Verfügung steht. Mit Helfern vom cSc-Team besetzt sind die Stationen Rollstuhl fahren, mit Gehhilfen Stufen überwinden, der Lauf der Übergewichtigen, das Tandem fahren mit ADFC-Piloten, die blinden cSc-Teamer, die erklären, wie man ohne Augenlicht den Alltag bewältigt sowie die Erklärung des Gehörlosenalphabets. Weitere Übungen werden vom Kollegium und helfenden Eltern durchgeführt.
„Wichtig ist, dass bei diesen Veranstaltungen Lehrerkollegium, Schulverein und Eltern gemeinsam eingebunden werden und die Lehrer/innen diesen Tag vor- und nachbereiten“, meint Bernhard Weik.Schulleiterin Anne (Maria) Widera und die verantwortliche Vertreterin am Standort Zehntenweg,Rita Leonhardt, engagieren sich gemeinsam für einen schönen und erfolgreichen „ganz normalen Tag“. 129 Schüler/innen werden derzeit von acht Lehrkräften in dem 1952 errichteten Gebäude unterrichtet. „Wir haben hier einen musischen Schwerpunkt, ab dem 2. Schuljahr lernen alle Schüler ein Instrument“, berichten sie. Große Pluspunkte der Schule seien die ruhige, grüne Lage, viel Freiraum draußen und drinnen und die intensive Einbindung ins Leben der katholischen Gemeinde. „Wir haben jetzt viele Gemeinsamkeiten mit der ehemaligen Brüder-Grimm-Schule, nicht nur den neuen gemeinsamen Namen, der auch schon in den Zeugnissen zum Ausdruck kommt, sondern auch Aktivitäten wie den Karnevalszug oder die Karnevalsfeier."

Text: Jürgen Steinbrücker


Schüleraussagen zu diesem interessanten Tag

Lisa: Mir hat der cSc-Tag gut gefallen, weil man erfahren konnte, wie behinderte Menschen im Alltag leben. Wir durften zum Beispiel ausprobieren, wie es ist im Rollstuhl zu sitzen oder als Blinder Tandem zu fahren. Man konnte sich das vorher nicht vorstellen. Es war ein sehr interessanter Tag.

Jan: Mit den Krücken zu gehen war ziemlich wackelig und als Blinder auf dem Tandem zu fahren war sehr komisch. Als Blinder mit dem Blindenstock in der Hand über ein mit Bänken gelegtes Quadrat zu balancieren war ganz schön schwer. Mit dem blinden Mann zu sprechen war hochinteressant.

„Ein ganz normaler Tag“ in der Martinusschule Richrath(Fernsehspot Video )

Singen ein Lied vom Anderssein

Singen ein Lied vom Anderssein

Die Buntgemischten spielen mit allen Rollstuhlbesitzern
Das Grüngestreifte cSc Team freut sich nach getaner Arbeit
Die Blaukarierten Kinder spielen heute mit den Buntgemischten

Im Land der Blaukarierten sind alle blaukariert.
Und wenn ein Rotgefleckter
sich mal dort hin verirrt,
dann rufen Blaukarierte:
Der passt zu uns doch nicht!
Er soll von hier verschwinden,
der rotgefleckte Wicht!

Im Land der Rotgefleckten sind alle rotgefleckt.
Doch wird ein Grüngestreifter
in diesem Land entdeckt,
dann rufen Rotgefleckte:
Der passt zu uns doch nicht!
Er soll von hier verschwinden,
der grüngestreifte Wicht!




Im Land der Grüngestreiften
sind alle grüngestreift.
Doch wenn ein Blaukarierter
so etwas nicht begreift,
dann rufen Grüngestreifte:
Der passt zu uns doch nicht!
Er soll von hier verschwinden,
der blaukarierte Wicht!


Im Land der Buntgemischten
sind alle buntgemischt,
Und wenn ein Gelbgetupfter
das bunte Land auffrischt,
dann rufen Buntgemischte:
Willkommen hier im Land!
Hier kannst du mit uns leben,
wir reichen dir die Hand !
Text und Musik von Klaus W. Hoffmann

Begrüßung

Mit Gewichtswesten über Tische und Bänke macht Spass
Frau Keller und Frau Ina Richert sorgen für das Wohl aller Beteiligten
Malen und Zeichnen mit Füßen ist nicht so leicht

Text von Jürgen Steinbrücker
Rund 160 Grundschulkinder versammeln sich in der Turnhalle. Sie setzen sich auf den Boden. Statt des normalen Unterrichts wird die von der E & B Weik-Stiftung organisierte Veranstaltung „Ein ganz normaler Tag“ durchgeführt. „Wir haben uns riesig auf diesen Tag gefreut“, sagte Lothar Schaub, Leiter der Martinus-Grundschule in Richrath zur Begrüßung.





Mitgestaltet wird dieser Tag vom Lehrerkollegium, 40 Vätern und Müttern und dem bewährten cSc-Team. Dabei werden die Kinder für Menschen mit einem Handicap sensibilisiert. „Ihr sollt ausprobieren, wie es ist, mit einer Behinderung zu leben. Dafür haben wir acht verschiedene Stationen aufgebaut“, wendet sich Schaub an die Kinder.







Obwohl es ein ernstes Thema sei, wünsche er allen viel Freude für diesen Tag. Zur Einstimmung singen alle Kinder das Lied vom Anderssein, mit der Gitarre von ihrem Schulleiter begleitet. Es handelt von den Blaukarierten, Rotgefleckten und Grüngestreiften, die angeblich nicht zu uns passen.

Tandem- Möhren und Kohlrabi

Bernd Thiessen bietet gesunde Rohkost an
Herbert Jakubiak dreht mit den Kindern auf dem Tandem seine Runden
Treppensteigen mit den Krücken ist nicht so leicht

Text von Jürgen Steinbrücker
„Wir freuen uns, dass dieses Projekt „Ein ganz normaler Tag“ heißt“, sagt Bernhard Weik. Ein normales Leben für jeden Menschen bedeute auch, mit einer Behinderung zu leben. Wie sich das auswirkt, konnten die Schüler sehr rasch erproben: fahren mit dem Rollstuhl, Sozius mit einer Augenbinde auf dem Tandem sein, als „Beinamputierter“ mit Krücken Hindernisse überwinden, mit einem Bein über Seile hüpfen, mit den Füßen fühlen und greifen oder mit schweren Westen und Fußgewichten klettern, laufen und kriechen, mit dem Blindenstock den Weg über ein wackeliges Bohlenbrett finden.

„Am liebsten möchten die Kinder eine halbe Stunde fahren“, erzählte Herbert Jakubiak vom ADFC, der mit einigen Kollegen die Tandems fuhr. Während einige Helfer in der Küche Gemüse und Obst putzen und klein schneiden, warten in der ersten Pause bereits viele Schüler auf die Rohkost.




Mit der Frage „Wer hat noch keine Möhren und Kohlrabi probiert?“ sorgt Bernd Thiessen dafür, dass nicht nur Obst gegessen wird. An einer Wasserbar des KunZe kann der Durst gelöscht werden. Begeisterung und Engagement zeigen nicht nur die vielen Helfer. Die Kinder sind mit Feuereifer dabei und können ihren Bewegungsdrang richtig ausleben.

Kräftiger Applaus der Kinder

Kenneth Seidel zeigt den Kindern die Gebärdensprache
Manfred Glasmacher spielt Miele und Dame und Schach
Susanne Winther misst die Größe der Kinder mit dem Meterstab

Die blinde Susanne Winther, Telefonistin im Rathaus, hat eine ganze Tasche voller Utensilien speziell für Blinde mitgebracht. „Man kann sie in Spezialgeschäften telefonisch bestellen“, erklärt sie. Ein Zollstock ist so ein Beispiel. Neben den Zahlen befinden sich Orientierungspunkte. Spiele wie „Mensch ärgere Dich nicht“ oder „Mühle und Dame“ haben spezielle Figuren, womit man die Unterschiede erfühlen kann.




Auch Manfred Glasmacher ist blind. „Ich habe aber mein halbes Leben sehen können“, berichtet er und kann sich an vieles noch erinnern. Heute benutzt er ein Farberkennungsgerät, um z.B. seine Kleidung auszuwählen. „Blinde sagen auch, ich gucke.“ Lorenz, Amelie, Juliane, Bianka, Alessa schreibt Manfred Glasmacher in seine Blinden-Schreibmaschine und verteilt die Streifen an die Kinder.



Gehörlosenlehrer Kenneth Seidel zeigt den Kindern das Alphabet der Gebärdensprache. „Jetzt zeig ich euch mal, wie mein Name aussieht“, sagt er und erklärt: „Ich spreche mit den Händen.“ Mit kräftigem Applaus bedanken sich die Kinder zum Abschluss in der Turnhalle bei Bernhard Weik, bevor es zum gemeinsamen Eintopfessen geht.

Auszüge aus den Anmerkungen der Schüler/innen

Mit den Füßen fühlen ohne zu sehen ist komisch
Elmar Widera führt die Kinder mit Krücken über Hindernisse
Bei Mathias Milz leuchtet das cSc als Sonne über allem

Mathias Milz: Ich finde es toll, wie behinderte Menschen ihren Tag meistern. Ich fand den Tag toll, weil andere Menschen uns klar gemacht haben, dass wir Menschen mit einer Behinderung helfen müssen. Wir sollten sie nicht auslachen oder verspotten.







Sebastian Küpper: Ich find es nicht gut, dass Behinderte ausgeschlossen werden, darum will ich das alle gleichberechtigt werden.

Rica Leddig: Ich habe gelernt, dass jeder anders ist. Der eine ist blind, der andere fährt im Rollstuhl. Man kann sie aber trotzdem gern haben.















Cline Karagöz: Ich habe gelernt, dass alle Behinderten gleich normal sind. Mein Opa ist auch behindert und muss mit Krücken laufen.

Daniel Jakob: Niemand ist normal. Ich verstehe nicht, dass sie immer geärgert werden, helft ihnen bitte.

Laura Schumacher: Ich fand den Tag sehr toll, aber habe viel gelernt, dass es trotzdem besser ist, normal zu sein. Das Team cSc hat diese Aktion sehr schön gemacht!

Auszüge aus den Anmerkungen der Schüler/innen mit tollen Bildern

Mit den Zehen eine Schlaufe binden ist sehr schwer
Gleichgewicht auf einem Bein zu halten ist sehr schwer
Mike Schumacher fordert alle auf mitzuspielen

Mike Schumacher: Komm, spiel mit!











Madonna: Für mich war es sehr beeindruckend, dass ein Blinder die Blindenschrift so schnell lesen kann und dass er ein Farbgerät hat

Annalena Metz: Ich habe gelernt, dass man behinderten Menschen helfen sollte.

David Ney: Vor dieser Aktion" Ein ganz normaler Tag" habe ich gedacht, es sei lustig, im Rollstuhl zu sitzen

Marvin Trost: Dieser Tag hat mir gezeigt, das man als Behinderter kaum anders ist.

Arawi Santhakumar: Man lernt, dass man nicht jeden auslachen darf.

Julia Hornung: Ich habe gelernt, dass man Verletzten helfen muss, wenn sie es wollen!

Dustin Berngen: Ich denke, dass das schlimmste beim behindert sein das hänseln ist.

Auszüge aus den Anmerkungen der Schüler/innen mit treffenden Bemerkungen

Ein Bienenschwarm voller Rollstühle
Großes Vertrauen ist beim Trampelpfad notwendig
Nicole Kliewer praktiziert die Integration in ihrem Bild

Nicole: Kliewer: Ich habe gelernt, dass man die Leute, die eine Behinderung haben, nicht auslachen soll, sondern ihnen helfen kann, wenn sie es wollen.

















Selinay: Freunde sind Freunde und bleiben für immer Freunde, auch wenn sie im Rollstuhl sitzen.




MarcelZiepser: Ich fand es gut, dass ich mal erleben konnte, wie man sich fühlt, wenn man behindert ist.

Daniel Ziepser: Mir hat es viel Spaß gemacht, mit dem Tandem zu fahren. Ich habe gelernt, dass man Behinderte nicht ausschließen sollte.







Daniel O.M.: Mich hat es verblüfft, wie geschickt Leute sind, die schon von Geburt an im Rollstuhl sitzen.





David Elftimovski: Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, mit dem Tandem zu fahren. Ich habe gelernt , dass man Behinderte nicht ausschließen soll.

Auszüge aus den Anmerkungen der Schüler/innen mit gelung.Sensibilisierung

Unser Fernsehstar Manfred Glasmacher
Gehen mit Blindenstock will gelernt sein
Nergis Güzel hat viele Eindrücke in ihrem Bild verarbeitet

Nergis Güzel: Aber das schlimmste ist, dass manche sich über Behinderte lustig machen. Die Information habe ich vom cSc-Tag.

Björn Winkeler: Ich finde, dass man Blinde nicht hänseln soll . Sie sind auch Menschen.

Markus Bader: Dieser Tag hat für mich mehr Verständnis gegenüber denen, die eine Behinderung haben, geweckt.

Vincent Schrötter: Man soll sich nicht über die Behinderten lustig machen.

Timo Siekmann: Es hat mich beeindruckt, dass Blinde ohne hinzuschauen Blindenschrift lesen können. Es ist schade, dass manche Menschen durch Unfälle behindert werden.

Denise Hartmann: Leben im Rollstuhl ist bestimmt nicht cool. Man wird vielleicht gehänselt oder wohin geschoben, wo man gar nicht hin will. Oder wenn man die Blindenschrift mit "Augen zu" fühlen und dann lesen muss, wird es mir immer ganz warm ums Herz.


Unser cSc Team freut sich sehr über die Präsents im Fernsehen beim Sender TV Düsseldorf. Manfred Glasmacher wurde bei seinen Vorführungen genau beobachtet.
Unser cSc ist ja das Markenzeichen der ganzen Bewegung „Sport für Menschen mit Handicap“, dabei war sehr erfreulich, dass die Kinder auf 22 Zeichnungen den cSc eingebunden hatten.