GGS Dabringhausen-Dhünn

Zwei ganz normale Tage im April 2012

So ist das Leben mit Handycap

Blind sein, nicht hören können, im Rollstuhl sitzen, an Krücken gehen, stark übergewichtig sein – wie fühlt man sich damit? Grundschulkinder für Mitmenschen mit einem Handycap zu sensibilisieren, hat sich Bernhard Weik von der B & E Weik-Stiftung mit zur Aufgabe gemacht, als 1996 die Stiftung gegründet wurde. Zusammen mit dem cSc-Team (capp Sport cup) wurde das Projekt „Ein ganz normaler Tag“ entwickelt. Angeregt durch eine Mutter, die den ganz normalen Tag an einer Schule in Hückeswagen kennengelernt hat, wurde bereits vor gut 2 Jahren der Kontakt zur Stiftung aufgenommen. Das Projekt fand sofort großen Anklang in der gesamten Schulgemeinde. Die Notwendigkeit, sich mit dem Leben mit Handicap zu öffnen und Berührungsängste dabei abzubauen war bei Eltern und Lehrern gleichermaßen gesehen und gewünscht. Damit aber eine längere Auseinandersetzung mit dem Thema möglich ist, haben wir uns für die Einbettung dieses Projekts in eine Projektwoche entschieden. Dies ließ sich nun in diesem Schuljahr realisieren.

Am 24. und 25. April waren die vielen freiwilligen Helfer der Weik-Stiftung und Herr Weik selber an unserer Schule. „Es war toll, als wir zusammen gesungen haben. Wir haben das Lied: Aufsteh`n aufeinander zugeh`n gesungen!“

Alle Kinder unserer Schule haben so Herrn Kraft und seinen Kollegen kennengelernt. Beide blinde Menschen, die den Kindern die vielen Hilfsmittel näherbringen konnten, die den Blinden zur Verfügung stehen, um am Leben in unserer Gesellschaft gleichberechtigt teilnehmen zu können.

Außerdem konnten sie im Rollstuhl und mit Gehhilfen ausprobieren, wie schnell und gezielt, aber anders als sie es kennen, sich die Menschen mit Handicap im Bewegungsapparat fortbewegen können.

„Mit Krücken zu gehen ist schwierig. Man darf die nicht anders halten, sonst gibt es einen Armbruch. Wenn man sich hinsetzen will, muss man die Krücke, die nicht am verletzten Bein ist, weglegen.“
Beim Parcour, den die Kinder mit einem Blindenstock durchlaufen mussten, merkten sie sehr schnell, welche Konzentration auf den Stock und auf den Hör- und Tastsinn nötig sind, um über Hindernisse zu gelangen. Manch Viertklässler, der sich zunächst groß und sicher fühlte, wurde dabei sehr still und vorsichtig, bekam nach etwas Übung aber auch die Sicherheit zurück. „Ich fand es es sehr schwierig als wir mit einem Blindenstock über die Bänke gegangen sind. …Ich finde, es ist aber ganz gut gelungen!“

Die verbundenen Augen auf dem hinteren Platz beim Tandemfahren verlangte den Kindern viel Vertrauen auf den Fahrer ab. Den Kindern viel dies dabei augenscheinlich leichter, als den Lehrerinnen oder Müttern, die es ausprobiert haben. „Blinde können auch Fahrradfahren, zwar nicht allein, aber sie können es. Sie fahren mit einem Tandem, weil ihre Augen ja blind sind. Darum helfen Ihnen Freunde.“

Das Klettergerüst auf unserem Schulhof haben die Kinder noch einmal ganz erfahren können. Wie lässt es sich klettern, wenn man viel mehr Gewicht mit sich herumträgt? Mit Gewichtsmanschetten an Händen und Füßen und einer Weste, die mit Sand gefüllt ist, ist es viel beschwerlicher. „Am Besten fand ich das Treppenhochlaufen und das Klettern.“

Auf Anregung der Weik-Stiftung hat eine Mutter, die bereits aus privaten Gründen die „gebärdende unterstützte Kommunikation“ gelernt hat, den Kindern in kleinen Rollenspielen die entsprechenden Gebärden näher gebracht. Noch heute sieht man Kinder auf dem Schulhof, die sich mit diesen Gebärden „unterhalten“. „Ich haben mit den anderen Verkaufen gespielt. Dabei haben wir nur die Hände benutzt.“

Die Zitate sind von Schülerinnen und Schülern der zweiten Klasse – stellvertretend für alle Kinder der Schule. Wir alle möchten die Erfahrung dieser Tage nicht missen! Diese Tage haben viel Interesse und Spaß bei den Kindern und uns Erwachsenen hervorgerufen. Wir Lehrer wünschen uns gerne - wie sicher auch die Eltern - eine Wiederholung des „Ganz normalen Tages“ in vier Jahren.