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Ein ganz normaler Tag am 27. April 2010
Text von Jürgen Steinbrücker
Im Rahmen einer Projektwoche unter dem Motto "Jedes Kind ist einzigartig" fand der „ganz normale Tag“ der Weik-Stiftung am 27. April in der Christopherus-Schule statt.
„Ich wünsche Euch viel, viel Spaß“, rief Schulleiterin Vera Saemmer-Schultz den über 200 Kindern der kath. Christopherus-Schule zu und stimmte das „Lied vom Anderssein“ an. Die Sensibilisierung der Kinder für Menschen mit Handicaps macht sich Bernhard Weik mit seinem cSc-Team schon seit fast vier Jahren zur Aufgabe, und er wünschte ihnen einen schönen Tag und „dass ihr sehr viel lernt dabei“. Weik erzählte auch, wie er dazu gekommen ist, den „ganz normalen Tag zu veranstalten.
Die drei Tandem-Fahrer Peter Hahnel, Christian Doll und Karl Markofsky waren nicht die einzigen, die stundenlang gefordert waren. Für jeden der Tandem-Piloten waren etwa 70 Runden zu absolvieren. „Ich habe ausgerechnet, dass wir zusammen über 90 km auf dem Schulhof gefahren sind“, bemerkte Hahnel zum Schluss. Lisa-Marie wäre wie viele andere am liebsten noch eine zweite Runde gefahren. Das Schwierige waren dabei die verbundenen Augen. “Ich dachte, ich fall’ runter, aber ich bin gar nicht gefallen“, meinte sie hinterher. Auch Daida bestätigte diesen Eindruck: „In den Kurven war das so, als ob man gleich runterfliegt.“ Und Jula’s Kommentar lautete: „Ehrlich gesagt hatte ich ein bisschen Angst.“
Rund 60 Helferinnen und Helfer aus der Elternschaft, das zwölfköpfige Lehrerkollegium und das cSc-Team arbeiteten hervorragend zusammen. In der Turnhalle, wo mit Rollstühlen gefahren wurde, war die Begeisterung beim Fahren zu spüren, es wurde aber auch aufmerksam zugehört, und die Schüler stellten viele Fragen. „Ein Rollstuhl muss auf die Körperlänge angepasst sein“, erklärte Annette Bachman vom cSc-Team. „Die Greifräder muss man mit Schwung anfassen und dann den Rollstuhl rollen lassen.“ Eigentlich sei es mit dem „ganz normalen Tag“ wie immer, aber trotzdem immer wieder anders.
Die Gehörlosendolmetscherin Lisa Rickus war mit dem Gehörlosenlehrer Turgut Özdemir dabei. „Er hört nicht“, sagt Lisa Rickus und weist auf Turgut Özdemir. „Wenn man sich bemerkbar machen möchte, tippt man ihn leicht auf die Schulter.“ Özdemir kommuniziert in der Gebärdensprache mit den Händen, Lisa übersetzt in die normale Lautsprache: „Jemand klingelt und möchte zu mir rein. Ich möchte morgens geweckt werden. Das Baby schreit im Nebenzimmer. Wie bekommt ein Gehörloser das mit?“ Dafür gebe es verschiedene Blinkanlagen, werden die Schüler informiert. Dann zeigt Turgut Özdemir verschiedene Begriffe in der Gebärdensprache, wie Familie, Mutter, Vater, Eltern, Kind, Schwester, Oma, danach dürfen die Kinder Tiere nennen, deren Begriffe er in seiner Sprache zeigt. „Gehörlose können auch Auto fahren, müssen aber mehr aufpassen“, erklärt Özdemir den Kindern.
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Viele fleißige Helfer betreuen die verschiedenen Stationen
Die Blinden Manfred Glasmacher und Wolfgang Krafft schreiben Namen in Braille-Schrift, zeigen, wie man Bücher in dieser Schrift durch Fühlen lesen kann, wie man die Uhr abtastet und Farben erkennt. Er hat einen Wecker ohne Glas, eine Zeitschaltuhr und eine sprechende, elektronische Uhr. „Die ist was für Faule“, sagt Manfred Glasmacher verschmitzt. Auch ein Mühlespiel, ein Schachspiel und ein Kartenspiel sowie einen Zollstock hat er auf seinem Tisch aufgebaut. „Man muss einen guten Tastsinn haben, um alles unterscheiden zu können.“
Mit beschwerten Westen klettern, mit Gehhilfen (Krücken) laufen, sich mit verbundenen Augen führen lassen, mit dem Blindenstock gehen, mit den Füßen greifen, schreiben und malen waren weitere neue Erfahrungen. Susanne Algahrram, Mutter zweier Kinder, befand: „Man macht sich das alles nie bewusst, wenn man es nicht mal ausprobiert. Das vergisst man nicht so schnell. Die Kinder sind begeistert.“
Gut vorbereitet hatten die beiden Lehrerinnen Sandra Cöln und Simona Herrmann als „Festkomitee“ nicht nur den „ganz normalen Tag“, sondern eine ganze Projektwoche, in der Klassen übergreifend Themen ausgewählt werden konnten. Im ersten und zweiten Schuljahr waren das: viele kleine Streichelhände; meine Füße, deine Füße; unseren Sinnen auf der Spur; fit und aktiv von Kopf bis Fuß. Das dritte und vierte Schuljahr hatte die Themen: Vorstadtkrokodile; Hördetektive; mit und ohne Augen sehen; das Gummibärchen im Spinat (Gedächtsnistraining); fit und aktiv von Kopf bis Fuß - für die älteren Schüler. Konrektorin Andrea Karig lobte die tollen Angebote des cSc-Teams und die Leistung der vielen Helfer. „Den Kindern wurde viel Freude bereitet, aber sie haben auch die Erfahrung gemacht, wie es ist, eingeschränkt zu sein. Das haben sie unwahrscheinlich gut reflektiert.“
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Das Lied vom Anderssein
Anders als du
Text, Musik: R. Metcalf
Aus Sim Sala Sing. Das Liederbuch für die Volksschule.
Von Lorenz Maierhofer, Renate und Walter Kern: Helbling Verlag.
Rum/Innsbruck. 2005
Ich bin anders als du bist anders als er ist anders als sie! (Ja)
Sie ist anders als er ist anders als du bist anders als ich! (Ja)
Wir, wir, wir sind anders als ihr, ihr, ihr seid anders als wir.
Na und? Das macht das Leben eben bunt!
Braun ist anders als Rot ist anders als Gelb ist anders weiß! (Ja)
Weiß ist anders Gelb ist anders Rot ist anders als Braun! (Ja)
Wir, wir, wir sind anders als ihr, ihr, ihr seid anders als wir.
Na und? Das macht das Leben eben bunt!
Dick ist anders Dünn ist anders Groß ist anders als Klein! (Ja)
Klein ist anders Groß ist anders Dünn ist anders Dick! (Ja)
Wir, wir, wir sind anders als ihr, ihr, ihr seid anders als wir.
Na und? Das macht das Leben eben bunt – eben bunt!
Eltern waren auch damit beschäftigt, aus Äpfeln, Bananen, Mandarinen Spieße zu machen, Kohlrabi, Möhren und Gurken zu schälen und klein zu schnippeln und frische Säfte zu pressen. „65 Mandarinen, 13 Gurken, 20 Kohlrabi, 5 kg Karotten. 15 kg Äpfel und 60 Bananen stiftete der Obst- und Gemüsehändler Siegfried Schultk“, berichtete Bernhard Weik. Hinzu kam die Wasserbar der Stadtwerke als Durstlöscher. Allerdings gab es auch Vitamine in Form von Saft, meist frisch gepresst. Der Saft von Birne, Banane, Orange, Kirsche, Apfel und Tomate wurde pur oder gemischt ausgeschenkt.
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