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  • VHS-Filmkreis filmt den „ganz normalen Tag“ in Grundschulen

    VHS-Filmkreis-Mitglieder beim Filmschnitt
    Zum zweiten Mal wird der VHS-Filmkreis einen Film für die Elisabeth & Bernhard Weik-Stiftung drehen. Es geht um den „ganz normalen Tag“ in Grundschulen, wobei die Kinder für Menschen mit Handicap sensibilisiert werden. „Wir versuchen, alle vier Jahre in alle Langenfelder Grundschulen zu gehen, um allen Schülern eine Teilnahme zu ermöglichen“, sagt Bernhard Weik. Der „ganz normale Tag“, an dem Kinder ausprobieren können, mit dem Rollstuhl zu fahren, mit Gehhilfen Stufen zu überwinden, die Brailleschrift der Blinden und das Gehörlosenalphabet kennen lernen, ist zu einer großen Erfolgsveranstaltung geworden. Längst haben auch Schulen von Essen bis ins Bergische Land den „ganz normalen Tag“ durchgeführt. „Ein übergewichtiges Kind wurde nicht mehr gehänselt, nachdem wir in dessen Schule waren“, berichtet Weik von der Reaktion einer Mutter. „Der ganz normale Tag“ solle ein Tag für alle Schülerinnen und Schüler werden, natürlich auch für diejenigen, die bereits mit einem Handicap leben. Max Heribert Gierlichs wird den Film zusammen mit Dr. Winfried Hölter am katholischen Teilstandort der Grundschule Richrath-Mitte (früher Martinus-Grundschule) am 21. März drehen. Es wird dann noch eine Weile dauern bis zur Fertigstellung des Filmes, aber schon jetzt warten alle Beteiligten des cSc-Teams gespannt darauf, ihn zu sehen. Dass der VHS-Filmkreis exzellente Aufnahmen und Filmschnitte zu machen versteht, hat er bereits beim 10. cSc (capp Sport cup) „gemeinsam rollt’s“ mit einer Menschenkette rund um die Rennstrecke bewiesen.

    „Der Filmkreis wurde 2007 von ambitionierten Hobbyfilmern ins Lebens gerufen“, berichtet dessen Leiter, Max Heribert Gierlichs. Derzeit habe der Filmkreis 12 Mitglieder. Weitere Interessenten sind zu einem Schnupperabend herzlich willkommen und können jederzeit Mitglied werden“, so Gierlichs. Die Gruppe bestimme, welches Thema bearbeitet werde, der Leiter moderiere die Gruppe. Es gebe auch Filmexkursionen.

    Termine und Gebühren für den VHS-Filmkreis sind aus dem VHS-Programmheft (gedruckt oder im Internet) zu ersehen. Der Filmkreis trifft sich jeweils am 1. und 3. Montag im Monat im Computerraum der VHS Langenfeld. Vermittelt werden u.a. Kamerabedienung, Film- und Bildgestaltung, Videoschnitt, Kommentargestaltung und Nachvertonung. In besonderen Ferienprogrammen lernen auch Kinder an jeweils vier Vormittagen von 10 bis 13 Uhr einen kleinen Film zu gestalten (die nächste Möglichkeit besteht in den Herbstferien).

    Text: Jürgen Steinbrücker
    Foto: VHS-Filmkreis. Es zeigt einige der Mitglieder beim Filmschnitt. Am PC Max Heribert Gierlichs, rechts außen Dr. Winfried Hölter.


  • Können Blinde auch traurig sein und weinen?

    Wolfgang Krafft in der Klasse
    “Ein ganz normaler Tag“
    Wolfgang Krafft, mein Erfahrungsbericht über meine Grundschuleinsätze

    In den vergangenen fünf Jahren bekamen über 3916 Grundschüler und Verantwortliche durch die Elisabeth-und-Bernhard-Weik-Stiftung unter dem Motto: “Ein ganz normaler Tag“ die unterschiedlichsten Behinderungen mit den damit verbundenen Problemen von Betroffenen, zu denen auch ich gehöre, selbst vermittelt. Bei meinen vielen Grundschuleinsätzen in Hilden, Langenfeld, Radevormwald, Velbert, Witzhelden und Wülfrath zeigte ich den Grundschülern zusammen mit ihren begleitenden Lehrkräften sowie den mir assistierenden Eltern, dass Blindheit überhaupt nicht so schlimm ist, wie es oftmals dargestellt und angenommen wird; denn es gibt für alle Probleme und Schwierigkeiten Lösungsmöglichkeiten.

    Mich braucht niemand wegen meiner Blindheit zu bedauern. Die Schönheiten der Welt kann ich zwar nicht sehen, sie mir aber von Sehenden dennoch mit Farben beschreiben lassen, weil ich noch von früher her eine gewisse Farbvorstellung habe. So beschriebst Du mir, lieber Bernhard, dankenswerterweise bei unserer gemeinsam erlebten London-Tandemtour mit Pro Retina Deutschland e.V. im Juni 2002 die Gegend zwischen Dover und London, durch die wir fuhren. Meine sehenden Wegbegleiter fragten mich oftmals bei unserer ersten Begegnung: ob sie bei ihren Beschreibungen, was sie sehen oder sahen, die Formulierung “ich sehe ...“ benutzen dürfen. Ich bejahte und begründete es ihnen damit, ich habe ja auch ein Fernsehgerät und sehe das Fernsehprogramm mit Ohren und stelle mir die Bilder in Phantasie vor.

    Mit meiner persönlichen Kurzvorstellung sowie einem lustigen Erlebnis aus meinem bisherigen Leben begann ich im Beisein meiner Assistenten, aller Schülergruppen und ihren Begleitern stets die jeweils ca. 20 minütige Lerneinheit. Ich erzählte anschaulich und spannend von mir als bislang einzigem blinden Musikschüler an der Städtischen Musikschule Leverkusen, an der ich sowohl von 1981 bis 1983 jeweils Klavier- als auch von Januar 2007 bis Juni 2009 Keyboard-Einzelunterricht erhielt. Des weiteren sprach ich von meiner persönlichen Aufklärungsarbeit bei den zukünftigen und in der Ausbildung befindlichen Pflegekräften im Klinikum Leverkusen-Schlebusch, denen ich den richtigen Umgang mit blinden Patienten zeige.

    Meine für die Aufklärungsarbeit in den Grundschulen mit viel Bedacht ausgesuchten, zusammengestellten und mitgenommenen persönlichen Blindenhilfsmittel, wie z.B. Reliefkalender und Bücher mit farbigen Tastbildern kamen bei allen ebenso gut an, wie auch die Brettspiele “Mensch ärgere dich nicht“, Schach, Mühle und Dame mit den passenden Spielsteinen und ein Skatspiel. Das “Kicker“-Sonderheft zur aktuellen Fußballbundesligasaison in Punkt- und Schwarzschrift ließ die Kinder laut jubeln, die mich baten, den Stadionsprecher zu machen.

    Die mit Punkt- und Schwarzschrift selbst beschrifteten Hosenbügel zeigte allen meine notwendige Ordnung. Die seit kurzem zusätzlich mit Blindenschrift bedruckten Medikamentenverpackungen gehören gleichfalls in den Anschauungsunterricht. Mithilfe meiner beiden Modelle der Bremer Stadtmusikanten und des Kölner Doms zeigte ich den Kindern, wie ich mir als Blinder durch Tasten etwas begreifbar mache, was Sehende in Originalgröße sehen können. Die Erklärung -der von Louis Braille vor knapp 200 Jahren entwickelten Punktschrift - anhand von Eierkartons für sechs Eier fanden die Kinder witzig aber einleuchtend. Ich las kurze Passagen aus dem Buch “Der kleine Prinz“ vor und schrieb auf Wunsch die Kindervornamen in Blindenschrift auf der Stenomaschine. Wie Blinde früher auf einer Tafel mit Stichel, (so heißt der Schreibstift), schrieben, zeigte ich ebenso, so auch meinen Wecker mit Stimme und Musik und meine Armbanduhr. Der Umgang mit den weißen Blinden-Langstöcken muss den Schülern bei solchen Anlässen unbedingt gezeigt werden, wie auch verschiedene Blindenführtechniken. Am interessantesten fanden alle Schüler und Erwachsenen die leeren Elmex- und Aronal-Zahnpastatuben. An der Elmex-Tube schnitt meine Mutter die Ecken ab, damit ich sie von der Aronal-Tube unterscheiden kann und weiß, wann welche Tube mir ihren Inhalt geben muss.




  • Ordnung ist das halbe Leben

    Es gibt für mich Materialien und Stoffe, die ich nicht gut anfassen kann. Gerüche und Düfte unterschiedlichster Art nehme ich eher und intensiver wahr als Sehende und weiß daher bei Stadtspaziergängen, an welchen Geschäften ich in Begleitung vorbeikomme. Vor heißen Kochtöpfen habe ich allerdings Angst. Ich muss mir meine sensiblen Fingerkuppen, die ich sowohl zum Lesen als auch zum Keyboard- und Klavierspielen brauche, nicht unbedingt verbrennen, erklärte ich den Beteiligten in den Schulen. Ich gab allen zusätzlich deutlich zu verstehen, dass es nicht nur für Sehende Probleme gibt, für die sie Hilfe in Anspruch nehmen, sondern auch für Blinde und andere Behinderte. In diesem Zusammenhang erklärte ich den Begriff “Barrierefreiheit“ im Internet, bei öffentlichen Baumaßnahmen und im Straßenverkehr. Was soll ich z.B. tun, wenn ich allein zu Hause bin, und es fällt mir ein Glas oder eine Olivenölflasche hin und zerbricht dabei? Wie erklärt ein Sehender einem Vollblinden, der überhaupt keine Farbvorstellung hat und gar nichts sieht, was an Kleidung zueinander passt? Welche Farben sich beißen? Ob das Shirt fleckig ist oder nicht? Oder ob man an einem Fuß einen schwarzen und am anderen Fuß einen braunen Schuh trägt?

    Meine Grundordnung und ein systematisches Ablegen von Schlüsseln, Brille und Stock etc. an dieselbe Stelle muss auch von Sehenden im Haushalt mit beachtet werden. Es erspart somit nerviges und unnötiges Suchen und trägt somit zum selbständigen Leben bei. Schräg stehende Zimmer- und Hängeschranktüren, der aufgeklappte Spülmaschinendeckel sowie im Weg stehende Putzeimer oder Blumentöpfe sind Stolperfallen und stellen Gefahren dar. Wenn ich zu Hause unsere Spülmaschine ausräume, achte ich genauestens darauf, welche Schranktüren offen stehen, um mich nicht zu stoßen. Falls doch einmal das Telefon klingelt, schiebe ich den Geschirrwagen in die Spülmaschine zurück, klappe den Deckel in die Senkrechte, schließe die Schranktüren und nehme erst dann das Telefonat entgegen. Bei den heutigen modernen Funktelefonen habe ich das Gerät in der Nähe liegen.

    Ohne Unterstützung assistierender Eltern von Grundschulkindern und Lehrkräften hätte ich niemals richtig wissen können, was als nächstes für ein Schuljahr kam, wie groß die Kindergruppe ist und wie lang eine Einheit dauert. Die Eltern lernten durch mich, sich ebenfalls im Umgang mit Blinden richtig zu verhalten und dankten mir für meine offene und lockere Art.

    Eine Mutter berichtete mir einmal, mit welch ernsten Gesichtern die Kinder in meinen Klassenraum kamen und wie glücklich sie wieder gingen, nachdem ich Aufklärung betrieb. Dass Blinde trotz des Nichtssehens soviel machen können, versetzte alle Kinder und Erwachsene in Staunen. Die von mir eingeforderte Disziplin, nicht durcheinander zu reden, hielten alle ein und trug zum Gelingen bei. Zudem schlug ich den Lehrkräften und Kindern vor, sich mit dem Beigebrachten am nächsten Schultag auszutauschen und darüber zu sprechen, da ich unterschiedliche Themen im Rahmen Blindheit ansprach.

    Wenn ich zurück an meine Schuleinsätze denke, kann ich zusammenfassend sagen: Die Veranstaltungen waren aus meiner Sicht nicht nur für mich persönlich, sondern auch für die Lehrer, Assistenzkräfte und Schüler der entsprechenden Grundschule ein sehr schönes Erlebnis und bereichernd. Mir sind fremde Menschen zu richtigen Freunden geworden, und ich kann für die Zukunft solcher Veranstaltungen nur viel Glück, Erfolg und gutes Gelingen wünschen. Die bisher ausgewählten Schulen, in denen ich Gast war, waren alle gut geführt.

    Eine Auswahl aus Schülerfragen an Wolfgang Krafft bei Besuchen in den Grundschulen in Langenfeld, Velbert, Wülfrath, Hilden, Witzhelden, Radevormwald:
    Tut Blindheit weh?
    Wie binden Blinde Schleifen an den Schuhen?
    Warum tragen Sie eine Brille? (In allen Schulen wurde ich danach gefragt)
    Wo kommt Ihre Blindheit her?
    Kann ich auch blind werden?
    Wer hilft mir nach Erblindung?
    Können Blinde träumen und wie sehen dann die Bilder aus?
    Sind Träume von Blinden anders als von Sehenden?
    Können Ihre kaputten Augen nicht ausgetauscht werden gegen sehende Augen?
    Können blinde Augen nicht wie ein Auto repariert werden?
    Warum ist Blindheit für Sie ganz normal?
    Wie finden Sie sich auf der PC-Tastatur zurecht?
    Wieviel Zeit brauchten Sie, um die Blindenschrift lesen und schreiben zu können?
    Ist es vor Ihren Augen schwarz?
    Haben Sie Farbvorstellung?
    Sind Sie auch schon mal traurig durch die Blindheit?
    Sie bewegen sich ja ganz normal; ich dachte Blinde sehen keine Bewegung?
    Können Blinde schwimmen, wenn ja wie?
    Können Blinde auch traurig sein und weinen?



  • Auszeichnung des cSc Team durch den Bürgermeister der Stadt Langenfeld

    Urkunde der Auszeichnung :Unser cSc Team ist Kinderfreundlich

  • Ein ganz normaler Tag

    Alle versammeln sich bei den Rollstuhlspielen

    Holger kirsten lormt seine Mitteilung an Gerd Jeremies in dessen Handfläche

    Ein ganzer Berg voll Krücken
    „Die Hänseleien in der Kindheit waren das Schlimmste“,
    erfuhr Bernhard Weik vom dreifachen Bronzemedaillen-Gewinner Heinrich Popow, dem mit 8 Jahren ein Bein amputiert wurde. So etwas wirkt ein Leben lang nach.

    In Deutschland gab es 2004 mehr als 37.000 Unfälle mit Kindern, erinnert Polizei-Oberkommissar F. Richartz von der Polizeistation Süd in Langenfeld an eine traurige Zahl. „Viele Schicksale treten von einer Sekunde in die andere ein, das Ergebnis ist oft der Rollstuhl, die Prothese, Blindheit oder Gehörlosigkeit.“

    Die Elisabeth & Bernhard Weik-Stiftung hat sich deshalb eine neue Aufgabe gestellt: die Akzeptanz von körperbehinderten Schülern zu erreichen.

    Wie können gesunde Kinder Erfahrungen sammeln, um sich in körperbehinderte Mitschüler/innen hinein zu versetzen? Dieser Frage geht ein ehrenamtliches Team seit September letzten Jahres nach und hat mit dem von Bernhard Weik initiierten Projekt „Normal“ erste Lösungsansätze gefunden. Im cSc-Projekt „Normal“ sind viele Ehrenamtliche eingebunden: Harri Schlicht, Ingrid Bembennek, Elke Kramer-Müller, Annemarie Trimborn, Rektorin Anne Widera, Elmar Widera, Marion Küppers, Susanne Winther, Manfred Glasmacher, Wolfgang Krafft und die Tandem-Piloten des ADFC Langenfeld. Vorgesehen ist dieser Projekttag an drei Grundschulen pro Jahr. So werden alle Grundschulkinder der 11 Grundschulen erreicht. Nach fünf Jahren beginnt der Reigen von neuem. Dadurch wird die nächste Generation in Langenfeld für die Behinderung sensibilisiert.

    An diesem „ganz normalen Tag“ sollen die Kinder für die Themen „Körperbehinderung“ und „Ausgrenzung“ sensibilisiert werden. Dies geschieht spielerisch, indem sie in Begleitung verschiedene Stationen durchlaufen: Hindernis-Parcours für Rollstuhlfahrer, Zielwerfen für Blinde, Springen der Beinamputierten, Wettlauf der Übergewichtigen, Übungen der Gehörlosen, Kennen lernen von Gebärdensprache, Fingeralphabet, Blindenschrift und vieles mehr. Die Elisabeth & Bernhard Weik Stiftung unterstützt das Projekt finanziell, zusätzlich bekommt jedes Kind ein T-Shirt von „gemeinsam rollt´s“ Ein Teil der finanziellen Unterstützung ist für einen Imbiss gedacht, der am Schluss des Aktionstages gegeben wird, damit die Helfer nicht hungrig nach Hause hetzen müssen. Die Elternschaft soll eingebunden sein, Kuchen oder Salate zu spenden, damit von dem Geld der Weik-Stiftung möglichst viel der Schule zugute kommt. Die Kinder sollen ein Schlüsselerlebnis für das ganze Leben bekommen, dass Behinderung kein Grund zur Ausgrenzung ist.
    Text von Jürgen Steinbrücker





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Seiten am 5-04-2013 um 22:12:51 aktualisiert. zur Homepage