| Übersicht | bearbeiten | neu | beliebt | top bewertet | suchen | << zurück
 
| 2004 |
 

Berichte (5)

  • „Münchens Hunderter“ ist schon etwas ganz besonderes! von A.Ballentin

    Andrea Ballentin bei Münchens Hunderter

    Olympiastrecke München mit 10 000 Zuschauer Tribüne
    Skates anziehen, noch ein paar Runden auf dem Parkplatz drehen, ein paar Worte mit alten Bekannten wechseln und - ups - die haben sich ja schon alle aufgestellt - wie spät ist es? Schnell noch zur Startaufstellung und dann gings auch schon los. Schon nach der ersten Kurve hatte sich eine Spitzengruppe formatiert: eine recht lange Reihe von schätzungsweise 15 Leuten. Die ersten drei Runden blieb diese Gruppe auch zusammen. Nachdem ich für etwa 10 Km den kompletten JoJo-Effekt mitbekommen hatte, musste ich die Gruppe ziehen lassen. Zusammen mit einer weiteren Skaterin bestritt ich die nächsten zwei Runden. In der 5. Runde, kurz nach der ersten Kurve, strauchelte die bei mir im Windschatten fahrende Kollegin und griff mir im Affekt in meinen Trinkgurt. Die Folge: der traditionelle Sturz in der 5. Runde. Etwas in meiner Laune getrübt und mit blutendem Knie lief ich alleine weiter. Nach einer halben Geraden fand ich Anschluss an einen weiteren zurückgebliebenen. Nun ging es weiter, Runde für Runde. Nachdem uns die Spitzengruppe in der 10. Runde einmal überrundet hatte und die Verfolgergruppe kam, konnten wir uns dort anschließen. Der Wetterbericht war selten so zuverlässig in letzter Zeit, es begann zu regnen. Nicht lange, und ich fühlte, wie das Wasser langsam an meinen Beinen herunterlief und meine Skates füllte. Nach zwei weiteren Runden waren diese voll, so dass bei jedem Antritt ein kleines Fontänchen vorne aus dem Schuh herausspritzte. Bei Temperaturen von vielleicht 10-12 Grad dauerte es dann auch nicht lange, bis die Kälte in den Körper eindrang. Ich hatte inzwischen jegliche Orientierung um den Stand des Rennens verloren. War noch eine Konkurrentin vor mir? Als einer der Leute aus der Verfolgergruppe, an die wir uns angehängt hatten, einen Ausreißversuch startete, schaffte ich es, mitzuhalten. Noch mal konnten sich vorne zwei Läufer absetzen, so dass wir schließlich wieder zu zweit waren - der Skater, der nun schon seit 12 Runden mit mir zusammen lief, und ich. Im Windschatten eines Tandems überrundete uns die Spitzengruppe zum zweiten Mal. Windschatten fahren hinter den schnellen Tandem ist bei "Münchens Hunderter" erlaubt, wird auch sehr gerne wahrgenommen. Bei nasser Straße schleuderte der Reifen allen Schmutz der Straße auf den nachfolgenden Maximilian Klaus, er war von oben bis unten schwarz, nicht wieder zu erkennen. Er sah richtig witzig aus, auch wenn es sich bestimmt nicht so angefühlt hat. Schließlich konnte mein Begleiter das Tempo nicht mehr halten. Ich versuchte ihn noch einmal zu ermuntern, aber es ging nicht mehr. Da ich meine Position nicht aufgeben wollte, fuhr ich alleine weiter, so gut ich konnte. Aber ich war nicht auf mich alleine gestellt: mein Freund, der das Rennen insgesamt in einem moderateren Tempo mitfuhr, mich mit Getränken versorgt hatte und auch immer wieder unterstützt hatte, wenn es darum ging, auf eine Gruppe aufzufahren, zog mich wieder eine Runde in seinem Windschatten. Dann noch eine Runde hinter dem Rad des cSc- Fotografen (wo ich dann testen konnte, wie sich der Segen des Regens anfühlt) und noch eine letzte Runde mit meinem Freund. Inzwischen wusste ich, dass keine Konkurrentin vor mir war und lief mit dem Bewusstsein, es als erste Frau geschafft zu haben, im Ziel ein. Kaum angekommen, kalt und nass und mit nur einem Bedürfnis: das (absolut passende) Geschenk abzuholen und mich unter eine warme Dusche zu retten, wurde ich von einem - ja, was war er eigentlich? Reporter? Moderator?- er hatte sich nicht vorgestellt - wahrscheinlich wusste jeder, wer er war, nur ich nicht - aufgehalten. Er hielt mir das Mikro vor den Mund (so nah- ich fühlte mich fast aufgefordert hineinzubeißen,) und fragte mich, wie man sich nach 100 km fühlt, was die schlimmsten Momente waren und so weiter. Ich stammelte irgendetwas, konnte gar keinen zusammenhängenden Satz bilden und begann vor Kälte zu beben. Als ich endlich gehen durfte, war ich nicht mehr in der Lage, den Gutschein aus dem Umschlag zu holen, weil ich vor lauter Beben die Öffnung nicht getroffen habe. Die Dame (Cornelia Weik)bei der Handtuchausgabe hatte Mitleid und packte auch gleich das Handtuch aus, um es mir über die Schultern zu legen. Und endlich konnte ich die Dusche genießen, wo ich auch nach einer halben Stunde endlich wieder warm wurde. Dies war der härteste Hunderter meiner Laufbahn. Ein ganz dickes Lob noch an die Veranstalter: die Verpflegung, die Betreuung und die Organisation waren, wie immer, gigantisch gut. Die Stimmung war ebenfalls gut, trotz des bescheidenen Wetters. "Münchens Hunderter" - ist - schon - etwas - ganz - besonderes! Andrea Ballentin



 
Suchoptionen
 
Seiten am 7-05-2012 um 18:09:02 aktualisiert. zur Homepage